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Wissensbeitrag

EN 1090 Materialnachweis: Zeugnis-Typ je Stahlgüte

EN 1090-2 stellt klare Anforderungen an Werkstoffzeugnisse für tragende Stahlbauteile. Der geforderte Zeugnistyp richtet sich nach der Stahlgüte (Tabelle 1); die Ausführungsklasse (EXC1–EXC4) steuert Rückverfolgbarkeit und Prüfumfang.

Überblick: EN 1090-2 und Werkstoffzeugnisse

Die EN 1090-2 (Ausführung von Stahltragwerken) regelt in Abschnitt 5 die Anforderungen an Ausgangsmaterialien. Den geforderten Zeugnistyp legt Tabelle 1 güte-basiert fest; die Ausführungsklassen (EXC1 bis EXC4) verschärfen mit steigender Klasse Rückverfolgbarkeit und Prüfumfang — nicht den Zeugnistyp.

Zeugnisanforderungen nach EN 1090-2:2018 Tabelle 1

EN 1090-2:2018 Tabelle 1 legt den geforderten Zeugnistyp güte-basiert fest — nicht nach Ausführungsklasse. Die EXC-spezifischen Verschärfungen betreffen Rückverfolgbarkeit (ab EXC3 Schmelzen-/Chargen-Zuordnung nach Abschnitt 5.2), NDT-Umfang und Toleranzen (Tabellen 2 und 3 der Norm). Ein 3.2 fordert Tabelle 1 an keiner Stelle — es ist nur nötig, wenn der Auftraggeber es vertraglich vereinbart.

Erzeugnis / GüteMindest-ZeugnistypHinweis
Baustahl ≤ S2752.2 (Werkszeugnis)3.1, wenn Kerbschlagzähigkeit bei < 0 °C spezifiziert/geprüft ist (z. B. J2-/K2-Güten)
Baustahl > S275 (z. B. S355, S460)3.1 (Abnahmeprüfzeugnis)Chargenspezifische Prüfwerte inkl. Schmelznummer
Nichtrostender Stahl, Rp0,2 ≤ 240 MPa2.2 (Werkszeugnis)
Nichtrostender Stahl, Rp0,2 > 240 MPa3.1 (Abnahmeprüfzeugnis)
Stahlguss3.1 (Abnahmeprüfzeugnis)
Schweißzusätze2.2 (Werkszeugnis)Nachweise nach den jeweiligen Produktnormen

Welche Materialien benötigen ein Zeugnis?

EN 1090-2 Abschnitt 5 listet alle zeugnispflichtigen Produkte:

  • ·Strukturstahl: Bleche, Profile, Hohlprofile, Stangen (EN 10025, EN 10210, EN 10219)
  • ·Schweißzusätze: Stabelektroden, Drähte, Pulver (EN ISO 544)
  • ·Verbindungsmittel: Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben (EN 15048, EN 14399)
  • ·Sondermaterialien: Auflagerplatten, Kopfbolzendübel

EN 1090 EXC2, EXC3 & EXC4 — welcher Zeugnis-Typ je Ausführungsklasse?

Eine häufige Verwechslung: Der geforderte Zeugnis-Typ hängt nach EN 1090-2:2018 Tabelle 1 nicht von der Ausführungsklasse ab, sondern von Erzeugnis und Stahlgüte (≤ S275 → 2.2, > S275 → 3.1). Die EXC-Klasse steuert stattdessen, wie streng Rückverfolgbarkeit, Prüfumfang und Dokumentation ausfallen. Das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 im Detail bleibt also für Baustähle über S275 in jeder Klasse Pflicht.

AusführungsklasseZeugnis-Typ (Tab. 1)Rückverfolgbarkeit / Zusatz
EXC1güte-abhängig (2.2 / 3.1) — unverändertEinfachste Klasse, keine besonderen Zusatzanforderungen an die Chargenzuordnung.
EXC2güte-abhängig (2.2 / 3.1) — unverändertStandard im allgemeinen Stahlbau; Rückverfolgbarkeit gefordert, ohne durchgängige Einzelchargen-Kennzeichnung.
EXC3güte-abhängig (2.2 / 3.1) — unverändertVolle Rückverfolgbarkeit: jedes Bauteil muss seiner Schmelze/Charge zuordenbar sein (Abschnitt 5.2). Zeugnis ohne Schmelznummernbezug reicht nicht.
EXC4güte-abhängig (2.2 / 3.1) — unverändertWie EXC3, zusätzlich verschärfte Prüf- und Dokumentationsanforderungen. Ein 3.2 fordert Tabelle 1 dennoch nicht — nur bei vertraglicher Vereinbarung.

FAQ

Welcher Zeugnis-Typ ist nach EN 1090-2 für EXC2 Mindestanforderung?

Der geforderte Zeugnistyp hängt nach EN 1090-2:2018 Tabelle 1 nicht von der EXC-Klasse, sondern von der Stahlgüte ab: Für Baustähle über S275 (z. B. S355) ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 gefordert, für Güten bis S275 genügt ein Werkszeugnis 2.2. Bei EXC3 und EXC4 gelten zusätzliche Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit.

Muss auch für Schweißzusätze ein EN 10204 Zeugnis vorhanden sein?

Ja. EN 1090-2 Klausel 5.5 (Welding consumables, Tabelle 5) fordert für Schweißzusätze Nachweise nach den jeweiligen Produktnormen (z. B. EN ISO 14341 für MAG-Massivdraht, EN ISO 2560 für Stabelektroden, EN ISO 17632 für Fülldrahtelektroden). Diese sind wie Werkstoffzeugnisse zu archivieren.

Wie lange müssen Zeugnisse nach EN 1090 aufbewahrt werden?

EN 1090-1 / EN 1090-2 fordern die Aufbewahrung der Ausführungsdokumentation, ohne eine konkrete Dauer vorzugeben. In der Praxis orientieren sich Betriebe an der voraussichtlichen Nutzungsdauer des Tragwerks und planen typischerweise 10 bis 30 Jahre. Der ZeugnisManager archiviert revisionssicher mit konfigurierter Aufbewahrungsfrist.

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