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Wissensbeitrag

Werkstoffgruppen 1–11 nach ISO 15608 erklärt

ISO 15608 teilt metallische Werkstoffe für Schweißzwecke in Gruppen ein. Für Stähle und Nickellegierungen stützt ISO 15614-1 den Geltungsbereich von Schweißverfahrensprüfungen auf diese Gruppen.

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Was ist ISO 15608?

ISO 15608 („Welding – Grouping system for metallic materials“) legt ein einheitliches System fest, mit dem Werkstoffe für Schweißzwecke gruppiert werden; es lässt sich auch für Wärmebehandlung, Umformung und zerstörungsfreie Prüfung anwenden. Erfasst sind Stähle, Aluminium, Kupfer, Nickel, Titan und Zirkonium sowie ihre Legierungen, Gusseisen und Kobaltlegierungen. Die Ausgabe 2025 ist die erste Fassung als Internationale Norm: Sie ersetzt den bisherigen Technischen Bericht von 2017 und überarbeitet Tabelle 1 der Stahlgruppen.

Bei den Gruppen 1, 2, 3 und 11 zählt die Werkstoffnorm, bei 4 bis 10 die Bezeichnung
Die Werkstoffgruppe ergibt sich aus der Güte des gelieferten Materials. Ausnahme nach Tabelle 1: Stähle der Gruppe 2 dürfen nach der tatsächlichen Schmelzen- oder Stückanalyse als Gruppe 1 betrachtet werden.
StahlgruppenGruppen 1, 2, 3, 11Gruppen 4 bis 10
Maßgeblichin der Werkstoffnorm festgelegte WerteElementgehalt, den die Werkstoffbezeichnung angibt
WerteMindeststreckgrenze,
chemische Zusammensetzung
Elementgehalte laut Bezeichnung
BeispieleS355 (1.2)
S690QL (3.1)
C45 (11.2)
13CrMo4-5 (5.1)
X5CrNi18-10 (8.1)
X2CrNiMoN22-5-3 (10.1)
QuelleISO 15608:2025, 4.2 und Tabelle 1
ISO 15608

Überblick: Stahlgruppen (Gruppe 1–11)

Gruppe 1 umfasst Stähle mit festgelegter Mindeststreckgrenze ReH ≤ 460 N/mm² und begrenzter Analyse (u. a. C ≤ 0,25 % – bis 0,30 %, wenn Cr + Mo + Ni + Cu + V ≤ 1,0 % –, Mn ≤ 1,8 %). Maßgeblich ist der in der Werkstoffnorm festgelegte Wert; hängt die Mindeststreckgrenze von der Dicke ab, zählt der höchste Wert.

Die Untergruppen 1.1 bis 1.3 trennt die festgelegte Mindeststreckgrenze ReH
Maßgeblich ist der in der Werkstoffnorm festgelegte Wert; hängt die Mindeststreckgrenze von der Dicke ab, zählt der höchste Wert.
1.1
ReH ≤ 275 N/mm²
z. B. S235, S275
1.2
275 < ReH ≤ 360 N/mm²
z. B. S355
1.3
ReH > 360 N/mm²
Feinkornstähle, z. B. S420N, S460N
niedrigere Mindeststreckgrenzehöhere Mindeststreckgrenze
Gr. 1Stähle mit ReH ≤ 460 N/mm² und begrenzter Analyse (u. a. C ≤ 0,25 % – bis 0,30 %, wenn Cr + Mo + Ni + Cu + V ≤ 1,0 % –, Mn ≤ 1,8 %)
1.4Wetterfeste Stähle (z. B. S235J2W, S355J2W); die Analyse darf die Einzelgrenzen der Gruppe 1 überschreiten
QuelleISO 15608:2025, Tabelle 1
ISO 15608
GruppeBeschreibungBeispiele
1.1Stähle mit festgelegter Mindeststreckgrenze ReH ≤ 275 N/mm²S235, S275
1.2Stähle mit festgelegter Mindeststreckgrenze 275 N/mm² < ReH ≤ 360 N/mm²S355
1.3Feinkornstähle mit festgelegter Mindeststreckgrenze ReH > 360 N/mm²S420N, S460N
1.4Wetterfeste Stähle (erhöhter Widerstand gegen atmosphärische Korrosion); die Analyse darf die Einzelgrenzen der Gruppe 1 überschreitenS235J2W, S355J2W
2Thermomechanisch behandelte Feinkornstähle und Stahlguss mit ReH > 360 N/mm²; 2.1 bis ReH ≤ 460 N/mm², 2.2 über 460 N/mm²S420M, S460ML (2.1); S500ML (2.2)
3Vergütete und ausscheidungsgehärtete Feinkornstähle (ohne nichtrostende Stähle) mit ReH > 360 N/mm²; 3.1: 360 N/mm² < ReH ≤ 690 N/mm², 3.2: ReH > 690 N/mm², 3.3: ausscheidungsgehärtetS690QL (3.1); S960QL (3.2)
4Niedrig vanadiumlegierte Cr-Mo-(Ni)-Stähle mit Mo ≤ 0,7 % und V ≤ 0,1 %–
5Cr-Mo-Stähle ohne Vanadium (nicht absichtlich zulegiert) mit C ≤ 0,35 %13CrMo4-5 (5.1); 10CrMo9-10 (5.2)
6Hoch vanadiumlegierte Cr-Mo-(Ni)-StähleX10CrMoVNb9-1 (6.4)
7Ferritische, martensitische oder ausscheidungsgehärtete nichtrostende Stähle mit C ≤ 0,35 % und 10,5 % ≤ Cr ≤ 30 %X6Cr17 (7.1); X20Cr13 (7.2)
8Austenitische nichtrostende Stähle mit Ni ≤ 35 %X5CrNi18-10, X5CrNiMo17-12-2 (8.1)
9Nickellegierte Stähle mit Ni ≤ 10,0 %; 9.1: Ni ≤ 3,0 %, 9.2: 3,0 % < Ni ≤ 8,0 %, 9.3: 8,0 % < Ni ≤ 10,0 %X12Ni5 (9.2); X8Ni9 (9.3)
10Nichtrostende Duplex-StähleX2CrNiMoN22-5-3 (10.1); X2CrNiMoN25-7-4 (10.2)
11Stähle wie Gruppe 1, jedoch mit 0,25 % < C ≤ 0,85 %C45 (11.2)

Gruppenbezeichnung lesen: Gruppe und Untergruppe

Die Bezeichnung einer Stahlgruppe besteht aus der Gruppennummer (1 bis 11) und, durch einen Punkt getrennt, der Untergruppe: „3.1“ ist die Untergruppe 1 der Gruppe 3. ISO 15608:2025, Tabelle 1 führt beides in getrennten Spalten. Ob eine Nummer nach Streckgrenze oder nach Legierung vergeben wird, hängt von der Gruppe ab: Bei den Gruppen 1, 2, 3 und 11 zählen die in der Werkstoffnorm festgelegten Werte, bei den Gruppen 4 bis 10 der Elementgehalt, den die Werkstoffbezeichnung angibt. Sind Schmelzen- und Stückanalyse festgelegt, nennt die Norm die Schmelzenanalyse als bevorzugt; die Streckgrenze ReH darf nach der Erzeugnisnorm durch Rp0,2 oder Rt0,5 ersetzt sein.

GruppeUntergruppen und ihr Unterscheidungsmerkmal
11.1: ReH ≤ 275 N/mm² · 1.2: 275 N/mm² < ReH ≤ 360 N/mm² · 1.3: Feinkornstähle mit ReH > 360 N/mm² · 1.4: wetterfeste Stähle
22.1: 360 N/mm² < ReH ≤ 460 N/mm² · 2.2: ReH > 460 N/mm² (thermomechanisch behandelt)
33.1: vergütet, 360 N/mm² < ReH ≤ 690 N/mm² · 3.2: vergütet, ReH > 690 N/mm² · 3.3: ausscheidungsgehärtet
44.1: Cr ≤ 0,3 % und Ni ≤ 0,7 % · 4.2: Cr ≤ 0,7 % und Ni ≤ 1,5 %
55.1: 0,75 % ≤ Cr ≤ 1,5 %, Mo ≤ 0,7 % · 5.2: 1,5 % < Cr ≤ 3,5 %, 0,7 % < Mo ≤ 1,2 % · 5.3: 3,5 % < Cr ≤ 7,0 %, 0,4 % < Mo ≤ 0,7 % · 5.4: 7,0 % < Cr ≤ 10,0 %, 0,7 % < Mo ≤ 1,2 %
66.1: 0,3 % ≤ Cr ≤ 0,75 %, Mo ≤ 0,7 %, V ≤ 0,35 % · 6.2: 0,75 % < Cr ≤ 3,5 %, 0,7 % < Mo ≤ 1,2 %, V ≤ 0,35 % · 6.3: 3,5 % < Cr ≤ 7,0 %, Mo ≤ 0,7 %, 0,45 % ≤ V ≤ 0,55 % · 6.4: 7,0 % < Cr ≤ 12,5 %, 0,7 % < Mo ≤ 1,2 %, V ≤ 0,35 %
77.1: ferritisch · 7.2: martensitisch · 7.3: ausscheidungsgehärtet (jeweils nichtrostend)
88.1: Cr ≤ 19 % · 8.2: Cr > 19 % · 8.3: manganaustenitisch mit 4 % < Mn ≤ 12 %
99.1: Ni ≤ 3,0 % · 9.2: 3,0 % < Ni ≤ 8,0 % · 9.3: 8,0 % < Ni ≤ 10,0 %
1010.1: Cr ≤ 24 % und Ni > 4 % · 10.2: Cr > 24 % und Ni > 4 % · 10.3: Ni ≤ 4 %
1111.1: 0,25 % < C ≤ 0,35 % · 11.2: 0,35 % < C ≤ 0,5 % · 11.3: 0,5 % < C ≤ 0,85 %

Von der Stahlbezeichnung zur Gruppe: Nehmen Sie die Güte aus Bestellung oder Werkstoffzeugnis. Werkstoffe, die ISO/TR 20172 (europäische Werkstoffe) einer Gruppe zuordnet, gelten nach Abschnitt 4.1 als dieser Gruppe zugeordnet; für alle übrigen gelten die Kriterien aus Tabelle 1. Hat ein Stahl je nach Dicke unterschiedliche Mindeststreckgrenzen, bestimmt der höchste Wert die Untergruppe. Das Tool Werkstoffgruppe bestimmen ordnet eine eingegebene Güte einer Gruppe zu, soweit sie im Werkstoffkatalog des Tools steht; sonst nennt es ähnliche Bezeichnungen, aber keine Zuordnung.

Nicht verwechseln: Die Untergruppe ist keine Werkstoffnummer. S355J2 hat die Werkstoffnummer 1.0577 und gehört in die Gruppe 1.2. Kurzname und Werkstoffnummer ordnet die Werkstoffnummern-Tabelle für Stahl.

Gruppen im Stahlbau: EN 1090-2:2018, Tabelle 14 ordnet die erforderliche Kenntnisstufe der Schweißaufsicht nach Stahlgruppen zu, etwa S235 bis S355 (1.1, 1.2, 1.4) getrennt von S420 bis S700 (1.3, 2, 3). Was das je Ausführungsklasse bedeutet, steht unter EN 1090 Materialnachweis.

Gruppen im Detail

Aluminium und Aluminiumlegierungen (Gruppe 21–26)

GruppeBeschreibungBeispiele
21Reinaluminium mit ≤ 1 % Verunreinigungen oder LegierungsanteilEN AW-1050A
22Nicht aushärtbare Legierungen (Al-Mn, Al-Mg)EN AW-5754, EN AW-5083
23Aushärtbare Legierungen (Al-Mg-Si, Al-Zn-Mg)EN AW-6082, EN AW-7020
24Al-Si-Legierungen mit Cu ≤ 1 %AlSi10Mg (24.2)
25Al-Si-Cu-Legierungen mit 5 % < Si ≤ 14 %, 1 % < Cu ≤ 5 % und Mg ≤ 0,8 %AlSi9Cu3
26Al-Cu-Legierungen mit 2 % < Cu ≤ 6 %–

Die Gruppen 21 bis 23 betreffen in der Regel Knetwerkstoffe, die Gruppen 24 bis 26 in der Regel Gusswerkstoffe.

Zeugnisarten schnell nachschlagen

Die Werkstoffgruppe ergibt sich aus der Güte des gelieferten Materials. Welche Zeugnisart (2.1, 2.2, 3.1 oder 3.2 nach EN 10204) für dieses Material gefordert ist, regelt im Stahlbau EN 1090-2, Tabelle 1 – unser kostenloser Excel-Spickzettel fasst das kompakt zusammen.

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EN 10204:20042.1 / 2.2 / 3.1 / 3.2AuswahlhilfeExcel · kostenlos
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FAQ

Warum sind Werkstoffgruppen für Werkstoffzeugnisse relevant?

Die Werkstoffgruppe ergibt sich aus der Güte des gelieferten Materials: Bei den Gruppen 1, 2, 3 und 11 zählen die in der Werkstoffnorm festgelegten Werte (Mindeststreckgrenze, chemische Zusammensetzung), bei den Gruppen 4 bis 10 der Elementgehalt, den die Werkstoffbezeichnung angibt. Ausnahme nach ISO 15608:2025, Tabelle 1: Auf Grundlage der tatsächlichen Schmelzen- oder Stückanalyse dürfen Stähle der Gruppe 2 als Stähle der Gruppe 1 betrachtet werden. ISO 15614-1 regelt über diese Gruppen, welche Stähle eine Schweißverfahrensprüfung (WPQR) abdeckt.

Welche Werkstoffgruppe hat S355?

S355 gehört zur Werkstoffgruppe 1.2 (festgelegte Mindeststreckgrenze 275 N/mm² < ReH ≤ 360 N/mm²). Nach ISO 15614-1:2017, Tabelle 5 qualifiziert ein Prüfstück der Gruppen 1, 2, 3 und 11 auch Stähle mit gleicher oder niedrigerer festgelegter Mindeststreckgrenze – eine WPQR mit S355 deckt damit auch Gruppe 1.1 ab.

Was bedeutet es, wenn ein Werkstoff keiner Gruppe zugeordnet ist?

ISO 15608:2025 übernimmt in Abschnitt 4.1 die Zuordnungen aus ISO/TR 20172 (europäische), ISO/TR 20173 (amerikanische) und ISO/TR 20174 (japanische Werkstoffe). Ist ein Werkstoff dort nicht zugeordnet, gelten die Kriterien der Norm selbst, bei Stahl also Mindeststreckgrenze und Zusammensetzung nach Tabelle 1. Für Stähle und Nickellegierungen außerhalb des Gruppensystems verlangt ISO 15614-1 eine eigene Schweißverfahrensprüfung.

Wie sind die ISO-Stahlgruppen bezeichnet (1.1, 2.1, 8.1)?

Die Bezeichnung besteht aus der Gruppennummer 1 bis 11 und, durch einen Punkt getrennt, der Untergruppe: 1.2 ist die Untergruppe 2 der Gruppe 1. ISO 15608:2025, Tabelle 1 führt beides in getrennten Spalten. Bei den Gruppen 1, 2, 3 und 11 entscheiden die in der Werkstoffnorm festgelegten Werte (Mindeststreckgrenze, Kohlenstoffgehalt), bei den Gruppen 4 bis 10 der Gehalt der Legierungselemente, den die Bezeichnung angibt. Hat ein Stahl je nach Dicke unterschiedliche Mindeststreckgrenzen, bestimmt der höchste Wert die Untergruppe. Verwechseln Sie die Untergruppe nicht mit der Werkstoffnummer: S355J2 hat die Werkstoffnummer 1.0577 und gehört in die Gruppe 1.2.

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