Zum Inhalt springen
Grundlagen

Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204: Typen, Pflicht & Digitalisierung

EN 10204 erklärt: Werksbescheinigung 2.1, Werkszeugnis 2.2, Abnahmeprüfzeugnis 3.1 und 3.2 — wer bestätigt, was drinsteht und wann welche Zeugnisart verlangt wird.

Aktualisiert: 26.10.2026
ca. 17 Min. Lesezeit
von ZeugnisManager Redaktion

Was sind Werkstoffzeugnisse nach EN 10204?

Werkstoffzeugnisse sind Prüfbescheinigungen für metallische Erzeugnisse. Sie belegen, dass ein geliefertes Material bestimmte chemische und mechanische Eigenschaften erfüllt — und wer diese Eigenschaften wann geprüft hat.

Die EN 10204:2004 (in Deutschland als DIN EN 10204 übernommen) ist die europäische Norm, die vier Arten von Prüfbescheinigungen definiert; sie ersetzt die Vorgängerfassung EN 10204:1991. Sie gilt für alle Metallerzeugnisse: Bleche, Profile, Rohre, Stäbe und Drähte aus Stahl, Edelstahl und Aluminium. Ältere Zeichnungen und Bestelltexte verweisen teilweise noch auf DIN 50049 aus der Zeit vor der europäischen Norm. Die EN 10204:2004 nennt im Vorwort als ersetzte Fassung ausschließlich die EN 10204:1991; welcher Zeugnistyp mit einem DIN-50049-Verweis gemeint ist, gehört deshalb mit dem Besteller geklärt statt unterstellt.

Auch die Typkürzel 3.1.A, 3.1.B und 3.1.C aus der Fassung von 1991 sind in der Ausgabe 2004 entfallen. Das Vorwort der EN 10204:2004 ordnet sie eindeutig zu: Typ 3.1 ersetzt den früheren Typ 3.1.B; Typ 3.2 ersetzt die früheren Typen 3.1.A und 3.1.C sowie das Abnahmeprüfprotokoll 3.2 der Vorgängerfassung. Der frühere Typ 2.3 ist ersatzlos gestrichen. Wer eine alte 3.1.A-Bestellung ungeprüft als heutiges 3.1 liest, bestellt damit eine Stufe zu niedrig — nach dem Vorwort entspricht ihr das Abnahmeprüfzeugnis 3.2.

Im Betrieb heißen diese Dokumente meist Materialzeugnis oder Werkstoffzeugnis. Wie die Alltagsbegriffe den Dokumentarten der Norm zugeordnet sind, zeigt die Begriffsseite Materialzeugnis.

Die vier Zeugnistypen

Typ 2.1 — Werksbescheinigung

Der Hersteller erklärt, dass die gelieferten Erzeugnisse den Bestellanforderungen entsprechen — ohne Angabe von Prüfergebnissen (EN 10204:2004, Abschnitt 3.1). Geeignet nur für unkritische Anwendungen ohne Rückverfolgbarkeitsanforderungen.

Typ 2.2 — Werkszeugnis

Der Hersteller erklärt die Übereinstimmung mit der Bestellung und gibt zusätzlich Prüfergebnisse aus nichtspezifischer Prüfung an (EN 10204:2004, Abschnitt 3.2). Nichtspezifisch heißt: geprüft wurde nach dem eigenen Verfahren des Herstellers an Erzeugnissen derselben Spezifikation und desselben Herstellverfahrens — die geprüften Erzeugnisse müssen nicht die tatsächlich gelieferten sein (EN 10204:2004, Abschnitt 2.1). Ein Werkszeugnis 2.2 kann also Losprüfwerte enthalten, nicht zwingend Werte der gelieferten Charge.

Wann ausreichend: Allgemeiner Maschinenbau ohne besondere Sicherheitsanforderungen, Kaufteile für unkritische Anwendungen.

Typ 3.1 — Abnahmeprüfzeugnis

Das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 enthält chargenspezifische Prüfergebnisse für das tatsächlich gelieferte Material. Es wird vom Hersteller ausgestellt und durch einen beauftragten, vom Fertigungsbereich unabhängigen Sachkundigen bestätigt.

Pflicht bei: EN 1090-2 für Baustähle der Güte über S275 (z. B. S355, S460 — EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 1) und nach Fußnote a derselben Tabelle auch dann, wenn die festgelegte Mindeststreckgrenze 275 MPa beträgt und die Kerbschlagarbeit bei einer Temperatur unter 0 °C festgelegt und geprüft ist (z. B. S275J2 in Nenndicken bis 16 mm; nach EN 10025-2:2019, Tabelle 6 ist die Mindeststreckgrenze von S275 dickenabhängig gestaffelt und liegt darüber unter 275 MPa); Druckgeräte nach PED 2014/68/EU — Anhang I Ziffer 4.3 verlangt für die wichtigsten drucktragenden Teile der Kategorien II, III und IV eine Bescheinigung mit spezifischer Prüfung der Produkte, ohne einen Zeugnistyp nach EN 10204 zu nennen; Schweißkonstruktionen mit erhöhten Anforderungen.

Was jedes Pflichtfeld eines 3.1 bedeutet, erklärt die Seite Abnahmeprüfzeugnis 3.1 im Detail. Wie die Felder in einem ausgefüllten Zeugnis angeordnet sind, zeigt das annotierte APZ-3.1-Muster — eine fiktive Arbeitshilfe, kein echtes Zeugnis.

Typ 3.2 — Abnahmeprüfzeugnis mit unabhängiger Prüfung

Wie 3.1, jedoch zusätzlich durch eine unabhängige Prüfstelle (TÜV, Lloyd's, Bureau Veritas) oder direkt durch den Auftraggeber bestätigt. Höchste Zuverlässigkeitsstufe.

Pflicht bei: EN 1090-2 Tabelle 1 fordert nie ein 3.2, auch nicht für EXC4 — ob eines gefordert ist, ergibt sich aus dem Vertrag oder aus einem anderen Regelwerk. Üblich vereinbart wird 3.2 z. B. bei Kernkraftwerken, Offshore-Strukturen und besonders sicherheitskritischen Anlagen.

Werkzeugnis, Prüfzeugnis, Werkstoffzeugnis: Was ist gemeint?

Im Betrieb haben die Dokumente viele Namen, die Norm kennt nur wenige. Die EN 10204:2004 trägt den Titel „Metallische Erzeugnisse — Arten von Prüfbescheinigungen“; Prüfbescheinigung ist dort der Oberbegriff, die vier Arten heißen Werksbescheinigung 2.1, Werkszeugnis 2.2, Abnahmeprüfzeugnis 3.1 und Abnahmeprüfzeugnis 3.2 (EN 10204:2004, Anhang A, Tabelle A.1). Die Zuordnung der Alltagsbegriffe steht auch auf der Seite Materialzeugnis.

| Begriff im Betrieb | Was damit gemeint sein kann | Was Sie prüfen | |---|---|---| | Werkzeugnis | Kann das Werkszeugnis 2.2 meinen (Schreibweise ohne „s“) oder als Kurzform für Werkstoffzeugnis stehen | Typangabe im Dokumentkopf: 2.2 oder etwas anderes? | | Prüfzeugnis | Kein Dokumentname der EN 10204; im Alltag für verschiedene Typen verwendet | Welcher Typ (2.1, 2.2, 3.1, 3.2) steht auf dem Dokument? | | Werkstoffzeugnis / Materialzeugnis | Oberbegriff für die Bescheinigung zum Werkstoff, kein Typ | In der Bestellung den Typ nach EN 10204 festlegen | | Abnahmeprüfzeugnis | Typ 3.1 oder 3.2 — der Zusatz entscheidet | Wer bestätigt: Abnahmebeauftragter des Herstellers (3.1) oder zusätzlich der Besteller bzw. ein Sachverständiger (3.2)? |

Entscheidend ist deshalb nie das Wort, sondern der Typ im Dokumentkopf. „Prüfzeugnis“ in einer Bestellung legt keinen Typ fest — der Typ muss mit der Nummer (2.1, 2.2, 3.1 oder 3.2) dastehen. Welcher Typ für Ihren Fall passt, zeigt der Zeugnis-Typ-Assistent.

2.2 oder 3.1 — wann reicht welches Zeugnis?

Die verbreitete Faustformel „3.1 hat Prüfwerte, 2.2 nicht“ ist falsch. Auch das Werkszeugnis 2.2 enthält Prüfergebnisse (EN 10204:2004, Abschnitt 3.2) — ohne Prüfergebnisse ist es eine Werksbescheinigung 2.1 (Abschnitt 3.1). Der Unterschied zwischen 2.2 und 3.1 liegt woanders: in der Art der Prüfung und in der Unabhängigkeit der Bestätigung.

  • Prüfergebnisse enthalten — Werkszeugnis 2.2: ja. Abnahmeprüfzeugnis 3.1: ja.
  • Art der Prüfung — 2.2: nichtspezifisch, nach dem Verfahren des Herstellers an Erzeugnissen derselben Spezifikation und desselben Herstellverfahrens. 3.1: spezifisch, vor der Lieferung an den zu liefernden Erzeugnissen oder an Prüfeinheiten, zu denen die Lieferung gehört.
  • Bezug zur gelieferten Ware — 2.2: Die geprüften Erzeugnisse sind nicht notwendigerweise die gelieferten. 3.1: Die Werte gehören zur gelieferten Ware bzw. ihrer Prüfeinheit.
  • Wer bestätigt — 2.2: der Hersteller. 3.1: der Abnahmebeauftragte des Herstellers, unabhängig vom Fertigungsbereich.
  • Norm-Fundstelle — 2.2: EN 10204:2004, Abschnitte 2.1 und 3.2. 3.1: EN 10204:2004, Abschnitte 2.2 und 4.1.

Im Stahlbau fällt die Entscheidung nicht nach Gefühl, sondern nach Erzeugnis und Werkstoffgüte: EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 1 nennt für Baustahl bis einschließlich S275 ein 2.2 und über S275 ein 3.1. Die Tabelle mit ihren Fußnoten a und c steht im Abschnitt zu EN 1090-2 weiter unten. Welcher Typ letztlich zu liefern ist, steht in der Bestellung (EN 10204:2004, Abschnitt 1.1).

Wie ein Werkszeugnis 2.2 im Einzelnen aufgebaut ist, welche Angaben es enthalten muss und wann es im Betrieb ausreicht, steht unter Werkszeugnis 2.2 nach EN 10204.

Was muss ein Zeugnis 3.1 enthalten?

Ein vollständiges Abnahmeprüfzeugnis 3.1 enthält mindestens:

  • Name und Anschrift des Herstellers
  • Erzeugnisbezeichnung (z. B. Flachstahl EN 10025-2 S355JR+N)
  • Bestellnummer und Lieferposition
  • Masse, Stückzahl oder Länge
  • Schmelznummer / Chargennummer — der wichtigste Rückverfolgbarkeits-Anker
  • Chemische Zusammensetzung (Schmelzanalyse und ggf. Stückanalyse)
  • Mechanische Kennwerte: Streckgrenze (Re), Zugfestigkeit (Rm), Bruchdehnung (A), Kerbschlagarbeit (KV) falls gefordert
  • Verweis auf Produktnorm (EN 10025-2, EN 10210-1 etc.)
  • Stempel und Unterschrift des Sachkundigen

EN 10204 Type 3.1: englische Bezeichnung und die Norm als PDF

„EN 10204 type 3.1“ steht in englischsprachigen Bestellungen, Zeugnissen und Lieferantenunterlagen für dasselbe Dokument wie das deutsche Abnahmeprüfzeugnis 3.1: die Prüfbescheinigung des Herstellers mit chargenspezifischen Prüfergebnissen, bestätigt vom unabhängigen Abnahmebeauftragten des Herstellers. Die Pflichtangaben sind dieselben wie oben beschrieben; die englische Fassung der EN 1090-2 fasst die Dokumentarten in Tabelle 1 als „inspection documents“ zusammen und nennt dort ebenfalls „2.2“ und „3.1“. Maßgeblich ist wie im Deutschen die Typnummer im Dokumentkopf.

Norm oder Zeugnis als PDF? Hinter der Suche nach „EN 10204 3.1 PDF“ stehen zwei verschiedene Anliegen:

  • Den Normtext (EN 10204 bzw. DIN EN 10204) finden Sie auf dieser Seite nicht und wir verlinken auch keine Fassung als PDF: Normen sind urheberrechtlich geschützt und werden über die Normenverlage bezogen, in Deutschland über den Beuth Verlag (DIN Media) als Vertriebsstelle der DIN-Normen. Alle Normbezüge in diesem Beitrag nennen die Abschnitte, damit Sie sie in Ihrer eigenen Fassung nachschlagen können.
  • Ein Muster, wie ein 3.1 aussieht, bekommen Sie kostenlos als annotiertes APZ-3.1-Muster — eine fiktive Arbeitshilfe, kein echtes Zeugnis. Ob ein vorliegendes Zeugnis vollständig ist, prüfen Sie mit dem Zeugnis-Pflichtangaben-Check und der Wareneingangs-Checkliste.

Das echte 3.1 zu Ihrer Lieferung gibt es nur vom Hersteller bzw. über Ihren Lieferanten: Es gehört zu einer bestimmten Charge und lässt sich nicht aus einem Muster oder einer Norm erzeugen.

Wie diese Angaben in einem echten Zeugnis stehen, zeigt das annotierte Muster:

Vorschau: Abnahmeprüfzeugnis 3.1 — annotiertes Muster (PDF)Vorschau

Kostenlos herunterladen

Abnahmeprüfzeugnis 3.1 — annotiertes Muster (PDF) — als PDF-Datei

  • Realistisch aufgebautes 3.1-Musterzeugnis mit allen Pflichtfeldern nach EN 10204:2004
  • Rand-Annotationen erklären jedes Feld und nennen typische Prüf-Hinweise
  • Gegenüberstellung: Unterschied zwischen 3.1, 2.2 und 3.2 — was der Sachkundige bestätigt, wer prüft

Kostenlos · Keine Kreditkarte · Jederzeit abbestellbar

EN 1090-2: Welcher Zeugnis-Typ für welches Erzeugnis?

Anders als oft behauptet, hängt der geforderte Zeugnistyp nach EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 1 nicht von der Ausführungsklasse (EXC1–EXC4) ab, sondern von Erzeugnis und Stahlgüte:

| Erzeugnis / Güte | Mindest-Zeugnistyp (EN 10204) | |---|---| | Baustahl ≤ S275 | 2.2 (Werkszeugnis)* | | Baustahl > S275 (z. B. S355, S460) | 3.1 (Abnahmeprüfzeugnis) | | Nichtrostender Stahl, Rp0,2 ≤ 240 MPa | 2.2 (Werkszeugnis) | | Nichtrostender Stahl, Rp0,2 > 240 MPa | 3.1 (Abnahmeprüfzeugnis) | | Stahlguss | 3.1 (Abnahmeprüfzeugnis) † | | Schweißzusätze | 2.2 (Werkszeugnis) |

* Fußnote a der Tabelle 1: Ein 3.1 ist erforderlich, wenn die festgelegte Mindeststreckgrenze 275 MPa beträgt und die Kerbschlagarbeit bei einer Temperatur unter 0 °C festgelegt und geprüft ist (z. B. S275J2 in Nenndicken bis 16 mm; nach EN 10025-2:2019, Tabelle 6 ist die Mindeststreckgrenze von S275 dickenabhängig gestaffelt und liegt darüber unter 275 MPa). Die Fußnote nennt diesen Streckgrenzenwert ohne Relationszeichen; nach dem Wortlaut knüpft sie an genau diesen Wert an und nicht an den gesamten Bereich bis S275 — eine ausdrückliche Aussage der Norm ist das nicht. Quelle: EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 1, Fußnote a.

† Fußnote c der Tabelle 1: Bei Stahlguss sieht die Tabelle ein 2.2 vor, wenn die festgelegte Mindeststreckgrenze ≤ 355 MPa beträgt und die Kerbschlagarbeit bei 20 °C geprüft ist. Quelle: EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 1, Fußnote c.

Die Ausführungsklasse steuert dagegen Rückverfolgbarkeit und Prüfumfang, nicht den Zeugnistyp: Für EXC3 und EXC4 müssen die Bauprodukte in allen Stufen rückverfolgbar sein — vom Wareneingang bis zur Übergabe nach dem Einbau (EN 1090-2:2018+A1:2024, Abschnitt 5.2, Text unter Tabelle 1). Der unmittelbar folgende Normsatz begrenzt den Aufwand: Diese Rückverfolgbarkeit darf sich auf Aufzeichnungen für Chargen stützen, die einem gemeinsamen Fertigungsprozess zugeordnet sind — es sei denn, die Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Bauprodukts ist festgelegt. Ohne Chargen- bzw. Schmelznummernbezug lässt sich diese Zuordnung in der Praxis kaum führen.

Ein Abnahmeprüfzeugnis 3.2 fordert EN 1090-2 Tabelle 1 an keiner Stelle — auch nicht für EXC4. Abschnitt 5.2 lässt es aber ausdrücklich überall dort zu, wo Tabelle 1 ein 3.1 nennt. EN 1090-2 macht ein 3.2 damit nirgends erforderlich; ob eines gefordert ist, ergibt sich aus dem Vertrag oder aus einem anderen Regelwerk (üblich vereinbart z. B. bei Brücken, kerntechnischen Anlagen oder Offshore-Strukturen).

Häufige Fehler bei Werkstoffzeugnissen

1. Falscher Zeugnis-Typ eingekauft EN 1090-2 fordert für S355 ein 3.1 — Lieferant schickt 2.2. Das kann die CE-Konformität gefährden.

2. Schmelznummer fehlt Ohne Schmelznummer ist keine Chargenrückverfolgung möglich. Bei EN 1090 EXC3 und EXC4 ist das ein non-konformes Zeugnis.

3. Zeugnis kommt nicht mit der Lieferung Werkstoffzeugnis liegt erst 3 Wochen nach Lieferung vor — Produktionsverzögerung durch fehlende Freigabe.

4. Zeugnisse nicht strukturiert archiviert Bei einem Audit werden Zeugnisse nicht gefunden — stundenlanges Suchen in E-Mail-Ordnern und auf Laufwerken.

5. Händler hat Zeugnis geändert EN 10204:2004, Abschnitt 6: Ein Händler muss die Prüfbescheinigung des Herstellers ohne Änderung weitergeben — als Original oder als Kopie, begleitet von geeigneten Angaben zur Identifikation des Erzeugnisses, die die Rückverfolgbarkeit zwischen Erzeugnis und Dokument sicherstellen. (Abschnitt 4.2 der Norm beschreibt dagegen den Zeugnistyp 3.2 — eine oft falsch zitierte Stelle.)

Prüfzeugnis 3.1 für Schrauben: wo bekommt man es?

Ein 3.1 zu Schrauben, Muttern und Scheiben stellt wie jedes 3.1 der Hersteller aus — nicht der Händler. Der Händler gibt die Prüfbescheinigung des Herstellers ohne Änderung weiter, als Original oder als Kopie, mit Angaben, die die Verbindung zwischen Erzeugnis und Dokument sichern (EN 10204:2004, Abschnitt 6). Für das Zeugnis zu Ihrer Lieferung gilt deshalb:

  1. Beim Lieferanten anfordern, mit Los- bzw. Chargennummer. Ein 3.1 ist chargenspezifisch; es gibt es nicht „auf Vorrat“ zu einer Artikelnummer. Die Nummer auf Verpackung bzw. Lieferschein muss zu der auf dem Zeugnis passen — sonst ist die Zuordnung nicht belegt.
  2. Online abrufbar ist es nur, wenn der Lieferant das anbietet. Ob ein Hersteller oder Händler Zeugnisse über ein Portal, per Mail oder nur auf Anfrage bereitstellt, entscheidet er; eine allgemeine Abrufmöglichkeit gibt es nicht. Vereinbaren Sie die Zeugnislieferung deshalb in der Bestellung, am besten mit der Typangabe.
  3. Ob überhaupt ein 3.1 verlangt ist, steht in Bestellung und Ausführungsnorm. Für tragende Stahlbau-Schraubengarnituren nach EN 14399 oder EN 15048 führt EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 1 eine eigene Zeile; den dort verlangten Dokumenttyp lesen Sie in Ihrer Normfassung nach, er wird hier nicht pauschal wiedergegeben.
  4. Nach Erhalt erfassen und der Charge zuordnen. Zeugnis mit Schmelz- bzw. Losnummer, Lieferschein und Bestellung verknüpfen — dazu der folgende Abschnitt.

Der ZeugnisManager erfasst Zeugnisse und ordnet sie Material und Chargen zu; das Zeugnis selbst beschafft er nicht — das bleibt Aufgabe von Einkauf und Lieferant.

Vom Lieferanten-PDF zum auffindbaren Nachweis

In den meisten Betrieben kommt das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 als PDF-Anhang einer Lieferanten-Mail an — und bleibt dort liegen. Digitalisieren heißt deshalb nicht „einscannen", sondern: das Dokument so erfassen, dass es später über die Schmelznummer, den Lieferschein oder das Bauteil wiedergefunden wird. EN 10204:2004 lässt das ausdrücklich zu — Abschnitt 5 der Norm gibt Aufbewahrung und Übermittlung der Bescheinigung wahlweise in elektronischer Form oder in Papierform frei.

Vier Schritte trennen die Lieferanten-Mail vom auffindbaren Nachweis:

  1. Erfassen — PDF oder EN-10168-XML aus der Mail herausnehmen und an einem Ort ablegen, nicht im Postfach belassen.
  2. Indexieren — Schmelz-/Chargennummer, Erzeugnisbezeichnung, Bestellung und Zeugnistyp als durchsuchbare Felder erfassen.
  3. Verknüpfen — das Zeugnis an Wareneingang, Charge und Fertigungsauftrag hängen, damit die Kette Charge → Bauteil steht.
  4. Bereitstellen — im Audit wird über Bauteil oder Charge gesucht, nicht über den Dateinamen. Danach richtet sich die Ablage.

Welche Angaben dabei aus dem Zeugnis heraus indexiert werden müssen, hängt vom Zeugnistyp ab — für das Zeugnis 3.1 sind es die oben genannten Pflichtangaben.

Digitale Zeugnisformate: EN 10168

EN 10204:2004 regelt, welche Art von Prüfbescheinigung zu liefern ist. Welche Informationen eine Bescheinigung für Stahlerzeugnisse im Einzelnen trägt, beschreibt EN 10168 (Stahlerzeugnisse: Prüfbescheinigungen, Liste und Beschreibung der Informationen); EN 10204:2004 verweist dafür in Abschnitt 1.3, Anmerkung 1 auf diese Norm.

In der Praxis liefern größere Stahlhersteller Zeugnisse zunehmend maschinenlesbar aus; viele KMU bekommen sie weiterhin als PDF. Eine Software, die beide Wege verarbeitet, bildet die Brücke zwischen ihnen und vermeidet manuelles Abtippen von Schmelzanalysen.

Digitale Zeugnisverwaltung: Was bringt sie?

Papierbasierte oder Excel-gestützte Zeugnisverwaltung ist fehleranfällig und zeitaufwendig. Die typischen Kosten:

  • 10-20 Minuten Suchaufwand pro Zeugnis bei Rückverfolgungsanfragen
  • Stundenlange Vorbereitung vor ISO 9001 oder EN 1090 Audits
  • Fehler bei der Übertragung von Schmelznummern in Excel-Tabellen

Eine Software wie der ZeugnisManager zentralisiert Zeugnisse, verknüpft sie automatisch mit Chargen und Fertigungsaufträgen und erstellt Audit-Exporte in Minuten.

Häufige Fragen zur EN 10204

Was ist der Unterschied zwischen Zeugnis 3.1 und 3.2 nach EN 10204?

Das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 stellt der Hersteller aus; bestätigt wird es von seinem Abnahmebeauftragten, der vom Fertigungsbereich unabhängig ist (EN 10204:2004, Abschnitt 4.1). Beim Abnahmeprüfzeugnis 3.2 bestätigt zusätzlich der Abnahmebeauftragte des Bestellers oder der in den amtlichen Vorschriften benannte Sachverständige (Abschnitt 4.2).

Wann ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 Pflicht?

EN 1090-2 fordert 3.1-Zeugnisse güte-basiert: für Baustähle über S275 (z. B. S355, S460) sowie für Stahlguss — unabhängig von der Ausführungsklasse (EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 1). Das ist ein Auszug: Die Tabelle nennt ein 3.1 auch für weitere Erzeugnisse, etwa für nichtrostende Stähle mit einer Mindest-0,2-%-Dehngrenze über 240 MPa und für Bolzen zum Lichtbogenbolzenschweißen; maßgeblich ist die vollständige Tabelle samt Fußnoten. Fußnote a der Tabelle verlangt ein 3.1 auch dann, wenn die festgelegte Mindeststreckgrenze 275 MPa beträgt und die Kerbschlagarbeit bei einer Temperatur unter 0 °C festgelegt und geprüft ist (z. B. S275J2 in Nenndicken bis 16 mm; nach EN 10025-2:2019, Tabelle 6 ist die Mindeststreckgrenze von S275 dickenabhängig gestaffelt und liegt darüber unter 275 MPa); die Fußnote nennt diesen Wert ohne Relationszeichen — nach dem Wortlaut knüpft sie an genau diesen Wert an und nicht an den gesamten Bereich bis S275, eine ausdrückliche Aussage der Norm ist das nicht. Beim Stahlguss sieht Fußnote c der Tabelle umgekehrt ein Werkszeugnis 2.2 vor, wenn die festgelegte Mindeststreckgrenze höchstens 355 MPa beträgt und die Kerbschlagarbeit bei 20 °C geprüft ist. Die Druckgeräterichtlinie PED 2014/68/EU verlangt für die wichtigsten drucktragenden Teile von Druckgeräten der Kategorien II, III und IV eine Bescheinigung mit spezifischer Prüfung der Produkte (Anhang I Ziffer 4.3); einen Zeugnistyp nach EN 10204 nennt die Richtlinie nicht. Tabelle 1 fordert an keiner Stelle ein 3.2; Abschnitt 5.2 lässt ein 3.2 aber ausdrücklich überall dort zu, wo Tabelle 1 ein 3.1 nennt. EN 1090-2 macht ein 3.2 damit nirgends erforderlich; ob eines gefordert ist, ergibt sich aus dem Vertrag oder aus einem anderen Regelwerk (üblich vereinbart z. B. bei kerntechnischen Anlagen oder Offshore-Strukturen).

Kann ein Werkszeugnis 2.2 durch ein 3.1 ersetzt werden?

Das entscheidet die Bestellung, nicht die EN 10204: Die Norm legt die Arten von Prüfbescheinigungen fest, die nach den Anforderungen der Bestellung mitgeliefert werden (Abschnitt 1.1); eine allgemeine Regel, nach der ein Typ einen anderen ersetzt, enthält ihr normativer Teil nicht. Ein 3.1 anstelle eines geforderten 2.2 anzunehmen, ist deshalb eine Betriebsfestlegung, keine Normvorgabe. Ausdrücklich geregelt ist der Ersatz im Stahlbau: EN 1090-2:2018+A1:2024, Abschnitt 5.2 lässt Prüfbescheinigungen vom Typ 3.2 überall dort zu, wo Tabelle 1 ein 3.1 nennt. Weicht ein Lieferant vom bestellten Typ ab, gehört das mit dem Besteller abgestimmt.

Muss ein Werkstoffzeugnis nach EN 10204 vom Hersteller stammen?

Bei Typ 3.1 muss das Zeugnis vom Hersteller ausgestellt sein. Ein Händler gibt die Prüfbescheinigung des Herstellers ohne Änderung weiter — als Original oder als Kopie, begleitet von geeigneten Angaben zur Identifikation des Erzeugnisses, die die Rückverfolgbarkeit zwischen Erzeugnis und Dokument sicherstellen (EN 10204:2004, Abschnitt 6).

Wo bekomme ich die EN 10204 als PDF?

Den Normtext vertreiben die Normenverlage, in Deutschland als DIN EN 10204 über den Beuth Verlag; wir bieten ihn nicht an. Eine kostenlose Orientierung bieten das annotierte APZ-3.1-Muster und der Zeugnis-Pflichtangaben-Check — sie ersetzen die Norm nicht.

Ist ein Werkzeugnis dasselbe wie ein Werkszeugnis 2.2?

Nicht zwingend: „Werkzeugnis“ ist die Schreibweise ohne „s“ und kann das Werkszeugnis 2.2 meinen, wird aber auch als Kurzform für Werkstoffzeugnis verwendet. Maßgeblich ist die Typnummer im Dokumentkopf (2.1, 2.2, 3.1 oder 3.2), nicht das Wort in der Bestellung.

Was ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1?

Ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 enthält Prüfergebnisse aus spezifischer Prüfung: geprüft wird vor der Lieferung an den zu liefernden Erzeugnissen oder an Prüfeinheiten, zu denen die Lieferung gehört (EN 10204:2004, Abschnitte 2.2 und 4.1). Bestätigt wird es vom Abnahmebeauftragten des Herstellers, der vom Fertigungsbereich unabhängig ist.

Was bedeutet ein 3.2 Zeugnis?

Ein 3.2 Zeugnis entspricht inhaltlich dem 3.1, wird aber zusätzlich vom Abnahmebeauftragten des Bestellers oder vom in den amtlichen Vorschriften benannten Sachverständigen bestätigt (EN 10204:2004, Abschnitt 4.2).

Was ist der Unterschied zwischen Werkszeugnis 2.2 und Abnahmeprüfzeugnis 3.1?

Beide Typen enthalten Prüfergebnisse — der Unterschied liegt darin, woran geprüft wurde und wer bestätigt. Beim Werkszeugnis 2.2 stammen die Werte aus nichtspezifischer Prüfung: geprüft wurde nach dem Verfahren des Herstellers an Erzeugnissen derselben Erzeugnisspezifikation und desselben Herstellverfahrens, nicht notwendigerweise an der gelieferten Ware (EN 10204:2004, Abschnitte 2.1 und 3.2). Beim Abnahmeprüfzeugnis 3.1 stammen die Werte aus spezifischer Prüfung an den zu liefernden Erzeugnissen oder an Prüfeinheiten, zu denen die Lieferung gehört; das Dokument wird von einem vom Fertigungsbereich unabhängigen Abnahmebeauftragten des Herstellers bestätigt (Abschnitte 2.2 und 4.1).

Werkszeugnis 2.2 oder Abnahmeprüfzeugnis 3.1 — wann reicht welches?

Welcher Typ zu liefern ist, legt die Bestellung fest — und dahinter die anwendbare Produkt- oder Ausführungsnorm. Im Stahlbau richtet sich das nach EN 1090-2:2018+A1:2024, Tabelle 1: für Baustähle bis einschließlich S275 genügt ein Werkszeugnis 2.2, über S275 (z. B. S355, S460) ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 gefordert. Fußnote a derselben Tabelle verlangt ein 3.1 auch dann, wenn die festgelegte Mindeststreckgrenze 275 MPa beträgt und die Kerbschlagarbeit bei einer Temperatur unter 0 °C festgelegt und geprüft ist (z. B. S275J2 in Nenndicken bis 16 mm; nach EN 10025-2:2019, Tabelle 6 ist die Mindeststreckgrenze von S275 dickenabhängig gestaffelt und liegt darüber unter 275 MPa). Ein 2.2 reicht dort also nur, wenn Güte und Erzeugnis es zulassen — nicht, weil das Bauteil unkritisch wirkt.

Stimmt die Faustformel „3.1 hat Prüfwerte, 2.2 nicht“?

Nein, sie ist unzulässig verkürzt. Auch das Werkszeugnis 2.2 enthält Prüfergebnisse (EN 10204:2004, Abschnitt 3.2). Ohne Angabe von Prüfergebnissen ist es eine Werksbescheinigung 2.1 (Abschnitt 3.1). Der Unterschied zwischen 2.2 und 3.1 liegt in der Art der Prüfung — nichtspezifisch gegenüber spezifisch — und in der unabhängigen Bestätigung durch den Abnahmebeauftragten.

Weiterführende Themen

Fazit

EN 10204 Werkstoffzeugnisse sind keine Bürokratie — sie sind die Basis für sichere Produkte und bestandene Audits. Der richtige Zeugnis-Typ, vollständige Inhalte und revisionssichere Archivierung sind nicht optional, sondern normative Anforderung in EN 1090, ISO 9001 und IATF 16949.

EN 10204WerkstoffzeugnisAbnahmeprüfzeugnis3.1Grundlagen

Werkstoffzeugnisse digital verwalten

Live-Demo ohne Konto — keine Kreditkarte, keine Bindung.

Kostenlos testen