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Grundlagen

EN 10204 Werkstoffzeugnisse: Der vollständige Leitfaden für die Praxis

Alles, was Einkäufer, Qualitätsbeauftragte und Werksleiter über EN 10204 Werkstoffzeugnisse wissen müssen — von den Typen 2.1 bis 3.2 bis zur digitalen Verwaltung.

3 min Lesezeit
von ZeugnisManager Redaktion

Was sind Werkstoffzeugnisse nach EN 10204?

Werkstoffzeugnisse sind Prüfbescheinigungen für metallische Erzeugnisse. Sie belegen, dass ein geliefertes Material bestimmte chemische und mechanische Eigenschaften erfüllt — und wer diese Eigenschaften wann geprüft hat.

Die DIN EN 10204:2004 (früher DIN 50049) ist die internationale Norm, die vier Arten von Prüfbescheinigungen definiert. Sie gilt für alle Metallerzeugnisse: Bleche, Profile, Rohre, Stäbe und Drähte aus Stahl, Edelstahl und Aluminium.

Die vier Zeugnistypen

Typ 2.1 — Konformitätsbescheinigung

Der Hersteller erklärt, dass das Erzeugnis der bestellten Spezifikation entspricht — ohne spezifische Prüfergebnisse. Geeignet nur für unkritische Anwendungen ohne Rückverfolgbarkeitsanforderungen.

Typ 2.2 — Werkszeugnis

Der Hersteller bescheinigt spezifische Prüfergebnisse, die aber nicht chargenspezifisch sein müssen. Ein Werkszeugnis 2.2 kann Losprüfwerte enthalten, nicht zwingend Werte der gelieferten Charge.

Wann ausreichend: Allgemeiner Maschinenbau ohne besondere Sicherheitsanforderungen, Kaufteile für unkritische Anwendungen.

Typ 3.1 — Abnahmeprüfzeugnis

Das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 enthält chargenspezifische Prüfergebnisse für das tatsächlich gelieferte Material. Es wird vom Hersteller ausgestellt und durch einen beauftragten, vom Fertigungsbereich unabhängigen Sachkundigen bestätigt.

Pflicht bei: EN 1090-2 ab EXC2, Druckgeräte nach PED (Category I+), Schienenfahrzeuge, Schweißkonstruktionen mit erhöhten Anforderungen.

Typ 3.2 — Abnahmeprüfzeugnis mit unabhängiger Prüfung

Wie 3.1, jedoch zusätzlich durch eine unabhängige Prüfstelle (TÜV, Lloyd's, Bureau Veritas) oder direkt durch den Auftraggeber bestätigt. Höchste Zuverlässigkeitsstufe.

Pflicht bei: EN 1090-2 EXC4, Kernkraftwerke, Offshore-Strukturen, besonders sicherheitskritische Anlagen.

Was muss ein Zeugnis 3.1 enthalten?

Ein vollständiges Abnahmeprüfzeugnis 3.1 enthält mindestens:

  • Name und Anschrift des Herstellers
  • Erzeugnisbezeichnung (z. B. Flachstahl EN 10025-2 S355JR+N)
  • Bestellnummer und Lieferposition
  • Masse, Stückzahl oder Länge
  • Schmelznummer / Chargennummer — der wichtigste Rückverfolgbarkeits-Anker
  • Chemische Zusammensetzung (Schmelzanalyse und ggf. Stückanalyse)
  • Mechanische Kennwerte: Streckgrenze (Re), Zugfestigkeit (Rm), Bruchdehnung (A), Kerbschlagarbeit (KV) falls gefordert
  • Verweis auf Produktnorm (EN 10025-2, EN 10210-1 etc.)
  • Stempel und Unterschrift des Sachkundigen

Häufige Fehler bei Werkstoffzeugnissen

1. Falscher Zeugnis-Typ eingekauft EN 1090-2 fordert 3.1 — Lieferant schickt 2.2. Das kann die CE-Konformität gefährden.

2. Schmelznummer fehlt Ohne Schmelznummer ist keine Chargenrückverfolgung möglich. Bei EN 1090 EXC3 und EXC4 ist das ein non-konformes Zeugnis.

3. Zeugnis kommt nicht mit der Lieferung Werkstoffzeugnis liegt erst 3 Wochen nach Lieferung vor — Produktionsverzögerung durch fehlende Freigabe.

4. Zeugnisse nicht strukturiert archiviert Bei einem Audit werden Zeugnisse nicht gefunden — stundenlanges Suchen in E-Mail-Ordnern und auf Laufwerken.

5. Händler hat Zeugnis geändert EN 10204 Klausel 4.2: Händler dürfen Zeugnisse nicht ändern oder neu ausstellen. Das Original muss unverändert weitergegeben werden.

Digitale Zeugnisverwaltung: Was bringt sie?

Papierbasierte oder Excel-gestützte Zeugnisverwaltung ist fehleranfällig und zeitaufwendig. Die typischen Kosten:

  • 10-20 Minuten Suchaufwand pro Zeugnis bei Rückverfolgungsanfragen
  • Stundenlange Vorbereitung vor ISO 9001 oder EN 1090 Audits
  • Fehler bei der Übertragung von Schmelznummern in Excel-Tabellen

Eine Software wie der ZeugnisManager zentralisiert Zeugnisse, verknüpft sie automatisch mit Chargen und Fertigungsaufträgen und erstellt Audit-Exporte in Minuten.

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Fazit

EN 10204 Werkstoffzeugnisse sind keine Bürokratie — sie sind die Basis für sichere Produkte und bestandene Audits. Der richtige Zeugnis-Typ, vollständige Inhalte und revisionssichere Archivierung sind nicht optional, sondern normative Anforderung in EN 1090, ISO 9001 und IATF 16949.

EN 10204WerkstoffzeugnisAbnahmeprüfzeugnis3.1Grundlagen

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